Presseecho

2009

Neu-Ulmer Zeitung vom 2. Mai 2009

Die Schwalbe macht die Flatter

GAU Künstliche Uferwand soll helfen, die Population zu stärken

Ludwigsfeld | grr | Die Uferschwalben, die ihre Nester in steil abfallende Sandwände graben, leiden Not. Die Uferabbrüche längs der Bäche und Flüsse im Landkreis sind fast alle verschwunden. Nun baut der GAU eine künstliche Uferwand und tut auch gleich fertig vorbereitete Nisthöhlen hinein, auf dass es den Schwalben wieder gut gehe.

Nun haben freiwillige Helfer der „Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum (GAU)“ auf dem Rand der ehemaligen Kiesgrube des Alpinen Hartschotterwerks bei Ludwigsfeld, meist „Kässbohrersee“ genannt, eine solche Uferschwalbenwand aufgestellt. Sie erreicht mit ihren drei Metern Länge, zwei Metern Höhe und 120 Zentimetern Tiefe beachtliche Ausmaße. Damit enthält sie aber zugleich 65 Einzelwohnungen für je ein Brutpärchen.

Kostenfrei entworfen

Kostenfrei entworfen und zusammengebaut hat das schrankähnliche Bauwerk der im Ruhestand lebende Konstrukteur Hans Frölich mit Wohnsitz in Bernstadt. Weitere Uferschwalbenwände will er heuer noch in Elchingen, bei Langenau und in Riedlingen aufstellen. Er hat Erfahrung mit der Konstruktion von Nisthilfen für die Vogelwelt. Im Oberschwäbischen hat er bislang zwanzig Storchennester auf Dächer, Türme und Schornsteine gesetzt. Er baut auch Niströhren für Eisvögel - als Doppelwohnung. Eisvögel führen Schachtelbruten aus. Ehe die erste Brut flügge ist, wird die Nächste schon vorbereitet. Also setzt Frölich jeweils zwei Röhren für ein Brutpaar nebeneinander.

Hubert Förster, seit Jahren Spezialist für Schleiereulen, Turmfalken und Eisvögel im nördlichen Landkreis, der nun auch an der Uferschwalbenwand mitbaut, berichtet über Erfolge und Misserfolge.

Winter schadete Vögeln

„Der vergangene Winter hat den Eisvögeln sehr geschadet, weil in der anhaltenden Frostperiode die Gewässer lange zugefroren waren. Der Eisvogel hat zu wenig Nahrung gefunden.“ Aber Förster meldet zugleich einen anderen, großen Erfolg. In den 155 Eulennistkästen, die er für den GAU betreut, sind im vergangen Jahr 128 Schleiereulen und 241 Turmfalken herangewachsen. „Das ist das beste Ergebnis seit 1994, als wir die ersten Kästen aufgehängt haben.“

Warten auf die Ersten

GAU-Geschäftsführer Wolfgang Gaus wartet nun auf den Einzug der ersten Uferschwalben. Das neunzehn Hektar große ehemalige Kässbohrerareal hat er seit Kurzem in GAU-Betreuung übernommen. „Das ist ein sehr wertvolles Biotop“, sagt er, „weil ganz unterschiedliche Geländeteile zusammentreffen.“ Es gibt Kiesflächen für Regenpfeiffer und Kreuzkröte, viel Grasland und Buschwerk, dazu kleine und große Tümpel mit Verlandungszonen und viel Schilf und Seggen. „Platz genug also auch für die Rohrsänger.“

Gaus rechnet damit, dass nun auch bald die Rohrweihe sich dort niederlässt, die auf sumpfigem Boden oder im Schilf nistet. Gesichtet hat er den gut einen halben Meter langen Greifvogel in Ludwigsfeld immerhin schon mal.


Wie es drinnen aussieht: Hans Frölich lässt hinter jeder der 65 Einflugöffnungen eine längliche, gut einen halben Meter tiefe, hölzerne Kiste mit einem Durchmesser von fünfzehn Zentimetern anschrauben. Diese Kästen haben die Junginger Lebenshilfe-Werkstätten hergestellt und mit Holzbeton so weit ausgefüllt, dass in der Mitte eine nur wenige Zentimeter weite Röhre bleibt. Am hintere Ende dieser Höhle ist ein kleiner Raum freigehalten, in den Sand eingefüllt wird. Dort hinein formen die Uferschwalben die Grube fürs Gelege. Damit der Marder nicht ins Nest schlüpfen kann, ist die künstliche Uferwand im unteren Teil glatt und ohne Nisthöhlen. Im vergangenen Jahr hat Frölich ein gleiches Bauwerk in Unterelchingen aufgestellt, das die Schwalben dort sofort in großer Zahl bezogen haben. (grr)


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