Presseecho

2004

Südwestpresse vom 26. November 2004

Warten auf den Biber als Verbündeten

GERLENHOFEN / Am Plessenteich gibt es für die Naturschützer noch viel zu tun

Hoffnung auf einen Zuschuss aus dem bayerischen Naturschutzfonds hat sich zerschlagen

Im Frühjahr hat die „Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum“ den Plessenteich gekauft. Inzwischen arrangieren sich Badende mit Zwergdommeln, Kreuzkröten und Flussseeschwalbe. Doch gibt es auch Probleme.

FRANZ GLOGGER

Der Traum vom eigenen Natursee hat sich für die Schutzgemeinschaft, dem früheren „Gerlenhofener Arbeitskreis Umweltschutz“ (GAU) im Frühjahr erfüllt. Damals hat der Besitzer, das Alpine Hartschotterwerk Kässbohrer, den See nach Abschluss der Rekultivierung zum Verkauf angeboten. Der Verein kam den anderen Bewerbern zuvor und angelte sich das 26 Hektar große Gelände – etwa 40 Fußballfelder – für 215 000 Euro. Den Kauf möglich gemacht hatten einige Naturliebhaber, die das Geld zinslos vorstreckten. „Ohne sie hätten wir keine Chance gehabt, an das Gelände zu kommen. Sie waren mit uns der Meinung, dass der Plessenteich als Natursee erhalten bleiben muss. 20 Jahre lang haben wir dafür gekämpft“, sagt Wolfgang Gaus, Diplom-Biologe und Geschäftsführer des Vereins. Unter den Bewerbern waren welche, die den See kommerziell nutzen wollten. „Mit wilden Partys und liegen gebliebenem Müll haben wir in den vergangenen Jahren genug Ärger gehabt. Das hat sich, toi toi toi, inzwischen recht gut entwickelt“, sagt Gaus.

Das Konzept des Vereins hat sich, toitoi toi, inzwischen recht gut entwickelt“, sagt Gaus.

Das Konzept des Vereins klingt simpel und ist doch nicht so einfach umzusetzen: Die etwas größere, nördliche Hälfte bleibt der Natur vorbehalten, die südliche den Badegästen. Gaus: „Wir wollen keine Käseglocke über den See stülpen. Wer schwimmen will, soll an den See können. Der dafür reservierte Teil ist ausreichend groß. Auf der anderen Seife soll sich die Natur ungestört entwickeln können.“

Einige Gäste haben dafür keinen Sinn. Gaus berichtet von einer Familie, die mit dem Auto über einen ohnehin verbotenen Feldweg bis zu einem Schilfgürtel vordrang. Dort setzte sie zu einer Kiesinsel über – mit Picknickkorb, den Kindern und vier Hunden. Von Gaus angesprochen, waren sich die ungebetenen Gäste keiner Schuld bewusst. „Die Leute sind sich gar nicht bewusst, wie empfindlich manche Vögel in der Brutzeit reagieren. Einmal aufgeschreckt, kehren sie nicht mehr zu ihrem Nest zurück“, erklärt der Biologe. Inzwischen muss Gaus kaum noch den Wächter spielen. Der See hat eine ganze Reihe Liebhaber gefunden, die mit weniger Vernünftigen die Diskussion aufnehmen. Für ganz Uneinsichtige, die sich partout nicht an das Verbot für Kraftfahrzeuge halten wollen, gibt es dann auch mal eine Anzeige.

Mit dem, was sich in der anderen Hälfte des Sees abspielt, ist Gaus sehr zufrieden. Das eingebrachte Brutfloß für Flussseeschwalben war schon nach einem Tag besetzt. Drei Junge hat das Pärchen großgezogen. Enten, Taucher und Graureiher sind sowieso nicht mehr wegzudenken. Besonders freut Gaus der Besuch der seltenen Zwergdommel und des Alpenstrandläufers. Mehrere Wochen inspizierten sie das Gelände. „Vermutlich vagabundierende Männchen. Vielleicht kehren sie nächstes Jahr mit einer Partnerin zurück“, hofft der Biologe.

Wählerische Tiere

Dennoch kann der See nicht sich selbst überlassen bleiben. Vögel, Amphibien und andere Wasserbewohner sind wählerisch, was ihr Zuhause betrifft. Die Kreuzkröte liebt das flache Gewässer im Schilf, der Eisvogel und die Uferschwalbe wünschen für ihre Bruthöhlen steile Wände, andere lieben flache Kiesbänke. Dem Plessenteich fehlt es vor allem an flachen Stellen und Schilfgürteln. Dafür muss Gaus noch einige Male den Bagger anrücken lassen. Die Schilfgürtel erfüllen noch einen weiteren Zweck. Sie verhindern, dass die auf dem Wasser im Überfluss treibenden Weidensamen wurzeln können. Damit würden die Flachzonen schnell „verbuschen“. Gegen die dennoch aufkeimenden Weiden baut Gaus auf einen Verbündeten, den Biber. In einem nördlich gelegenen Privatsee fühlt sich eine Familie schon länger wohl. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Nager auch den Plessenteich zu seinem Zuhause erklärt.

Die Hoffnung der Gerlenhofener auf einen Zuschuss aus dem bayerischen Naturschutzfonds hat sich zerschlagen. Ihr Antrag wurde aufgrund leerer Kassen abgelehnt. „Das hat es noch nie gegeben, dass ein Vorhaben komplett aus der Förderung genommen worden ist“, versteht Gaus die Welt nicht mehr. Die notwendigen Änderungen kosten weiteres Geld. „Mit dem Kauf allein ist es leider nicht getan. Bis der See naturgerecht gestaltet ist, fallen weitere Kosten an“, sagt Gaus. Im Vergleich zum Kaufpreis gehe es dabei aber um kleine Beträge. Aber auch die müssen erst einmal erwirtschaftet werden.

Dabei beweist die Schutzgemeinschaft viel Phantasie. So werden Spinnennetze für den Garten, aus Illerkieseln gestaltete „fliegende Fische“ und Apfelsaft von den vom Verein gepflegten Streuobstwiesen angeboten. Weiter hat eine Neu-Ulmer Freizeitkünstlerin dem Verein 30 Aquarelle zum Verkauf überlassen. Gaus ist für jede Unterstützung dankbar. Mit einem Euro kann ein Quadratmeter erhalten bleiben.

Trotz der Belastung ist die Schutzgemeinschaft guten Muts und denkt an die Zukunft. „Nicht alle kommen zum Baden an unseren See. Viele möchten sehen, was hier das Jahr über geschieht“, weiß Gaus. Etliche bringen das Fernglas mit und schauen, welche Vögel gerade brüten oder welche auf dem Durchzug sind. Die Wanderungen im Frühjahr und Herbst sind eine besonders interessante Zeit für Hobby-Ornithologen. Gaus hat diesen Herbst Graugänse, Schwarzstörche und einen Fischadler gesichtet: „Für einen Naturfreund der Wahnsinn.“ Sie sollen auf zwei Beobachtungsstationen zu ihrem Recht kommen. „Den Genuss ‚Natur pur‘ teilen wir gerne“, sagt Gaus.


Weiterführende Literatur: Projekt Plessenteich

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