Presseecho

2004

Neu-Ulmer Zeitung vom 23. November 2004

Plessenteich: Gau schafft ein Tierparadies

GAU rückt mit schwerem Gerät an und baut ein Reservat für Menschen und Kleintiere - Große Erdbewegungen

Neu-Ulm (grr). Mit schwerem Gerät macht sich die Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum (GAU) derzeit an ihrem vor Jahresfrist erworbenen Plessenteich bei Gerlenhofen zu schaffen. Gut fünftausend Kubikmeter Erde werden bewegt, um in der einstigen, stellenweise bis zu zehn Meter tiefen Kiesgrube Flachwasser- und Verlandungszonen zu schaffen.

„Um aus dem Wasserloch, das der GAU dem Alpinen Hartschotterwerk Kässbohrer da abgekauft hat, das angestrebte Schutzgebiet für Fische, Amphibien und Vögel entstehen zu lassen“, sagt GAU-Biologe Wolfgang Gaus, „muss erst mal der Mensch Hand anlegen“. Nur so werde verhindert, dass die Ufer des Sees unkontrolliert zuwachsen und nur einer kleinen und wenig vielfältigen Schar aus der Tierwelt Unterschlupf gewährten.

Reservate für Menschen

Nötig ist auch, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Lebewesen Rechnung zu tragen. Und nicht zuletzt dienen die Baggerarbeiten dem Ziel, den sommerlichen Badegästen und Picknickfreunden bestimmte Bereiche zu reservieren, andere unzugänglich zu machen. Das kostet den GAU 7 500 Euro, von denen die Regierung von Schwaben auf Anregung des Neu-Ulmer Landratsamts rund siebzig Prozent trägt. Am Ostufer des Teichs beseitigt der Bagger in mehrtägigem Einsatz eine lang gestreckte Insel, die nur durch einen schmalen Graben vom Festland getrennt war. Dort entstehen nun viele kleine und kleinste Inselchen in ganz flachem Wasser. Auch werden von der eigentlichen Seefläche abgetrennte Tümpel geschaffen, in die Fische nicht eindringen können, so dass sie ausschließlich Amphibien vorbehalten bleiben. Ob die derzeit noch recht vegetationsarmen Ufer eines Tags bepflanzt werden oder der rechte Bewuchs sich von selbst einstellt, soll erst mal abgewartet werden. Dem See fehle es noch an Schilfrändern und an Röhricht, meinen die GAU-Leute. Direkt am Ufer kann sich noch wenig Getier verbergen. Auch schwimmende Biotope müssen noch hinzukommen, die sich als Versteck eignen und als Ablageplätze für Laich und Eier.

Dass andererseits der See schon seine Liebhaber gefunden hat, stellen die Tierbeobachter des GAU mit zunehmender Freude fest. Flußregenpfeifer, Schafstelze, Flußuferläufer und Teichrohrsänger sind ständige Gäste, Stockenten, Graugänse, Kormoran und Rallen sowieso. Aber auch der Eisvogel hat sich eingestellt.

Der Silberreiher hat schon mal vorbeigeschaut. Die Flussseeschwalbe hat auf der künstlich angelegten schwimmenden Insel gebrütet. Die sehr seltene Zwergrohrdommel war da, und - „eine kleine Sensation“ - der Alpenstrandläufer hat im Oktober auf dem Durchzug eine vierstündige Rast eingelegt. Sechzig Kiebitze wurden im Sommer rundum auf den Wiesen gezählt, Der Graureiher kommt in fünfzig Exemplaren heran, baut allerdings noch keine Horste in der Gegend.

Diese Artenvielfalt will der GAU sichern und steigern. „Darum“, meint GAU-Vorsitzender Peter Freitag, „müssen wir die Menschen etwas fern halten, aber nicht ganz vertreiben“. Sommerlichen Besuchern stehe der südliche Teil, der etwa ein Drittel des ganzen Schutzgebiets ausmache, zum Baden und Sonnen zur Verfügung. Das verbleibende größere Gebiet im Norden sollten sie allerdings meiden, heißt es im GAU. Und damit ihnen das nicht zu schwer fällt, wird der See dort weitgehend unzugänglich gemacht.


Weiterführende Literatur: Projekt Plessenteich

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