Presseecho

2004

Neu-Ulmer Zeitung vom 7. Mai 2004

Die unendliche Vielfalt der kleinen Wunder

Der bald 67-jährige Hubert Förster aus Straß ist ein leidenschaftlicher und engagierter Naturschützer

Nersingen-Straß (grr). Ob Nistkästen für Schleiereulen aufgehängt oder Fledermauskästen gereinigt werden, ob Gelbbauchunken gerettet, Eisvögel, Wasseramseln und Bienenfresser gezählt werden – Hubert Förster aus dem Nersinger Ortsteil Straß ist allzeit dabei. Mindestens zwei volle Tage jeder Woche spendet der Kässbohrer-Ruheständler dem Naturschutz im nördlichen Landkreis Neu-Ulm.

„Das muss man erlebt haben“, schwärmt Förster über seine Pirschgänge in freier Wildbahn, „wenn ein Eisvogelmännchen ums Weibchen wirbt, wie er ihm ein selbst gefangenes Fischlein als Brautgeschenk anbietet, um ihm zu gefallen, da wird man ganz still“. Die unendliche Vielfalt der kleinen Wunder in Flora und Fauna hat es dem Naturliebhaber angetan.

„Indianerhäuptling“

„Mein Interesse an der Natur“, sagt er, „war immer riesig. In der Schule war ich schon gut in Biologie, und im Donauauwald war ich der Indianerhäuptling“. Heute ist er offiziell Fledermausbeauftragter der Gemeinde Nersingen. Aber er kennt auch alle 180 Nistkästen der Fledertiere im nördlichen Landkreis, weil er sie gemeinsam mit dem GAU, der Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum, ausgebracht hat. Und er kontrolliert sie regelmäßig. Nicht nur dies, er reinigt sie auch. „Wenn da bis zu 25 Abendsegler in einem einzigen Kasten zusammenleben, kommt eben viel Unrat zusammen, so dass die Tiere oft nicht mehr hinein- und manchmal auch nicht hinausfinden“. Eine Erfolgsgeschichte hat der GAU mit den Nistkästen für Schleiereulen geschrieben.

Förster hat daran fleißig mitgewirkt. Knapp 150 Kästen haben sie nördlich einer Linie von Senden über Weißenhorn bis Roggenburg angebracht in Bauernhäusern, Scheunen und Feldschuppen. Rund ein Drittel der kleinen Wohnungen sind regelmäßig von Schleiereulen bezogen. Im Riedwirtshaus, halbwegs zwischen Schwaighofen und Reutti, liegen schon wieder neun Eier. Wenn der Wirt in den nächsten Tagen den Urlaub beendet, wird wieder wie im Vorjahr eine Videokamera das Familienleben der Eulen in den Biergarten übertragen.

„Man ist viel unterwegs“, sagt Förster, „um der Natur im Landkreis zu dienen“. Auf dem alten Muna-Gelände bei Straß verfolgt er das Wohlergehen der Gelbbauchunke. Deren Nachkommenschaft ist ständig bedroht, wenn die flachen Wassertümpel austrocknen. Rund 30 Baggerseen, dazu die Bachläufe von Leibi, Roth und Biber geht er regelmäßig ab, schaut nach der Wasseramsel, dem Eisvogel, dem Graureiher und manch anderem Geschöpf. Ein „Paradies“ hat er dabei entdeckt, in dem sich Fuchs und Biber, Dachs und Eisvogel gute Nacht sagen. Wo das sei, verrät er nicht. „Man muss sich in diesen Dingen natürlich gutstellen mit der Familie“, bekennt der Flurläufer, „wenn man immer mal wieder allein in Wald und Feld unterwegs ist“.

Aber daran sind Ehefrau und Kinder wohl gewöhnt. Denn Förster, der nächstens 67 wird, ist schon im Berufsleben viel herumgekommen in der Welt. Gelernt hatte der gebürtige Sudetendeutsche in Neu-Ulm den Beruf des Maschinenschlossers. Bei Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) in Ulm war er Motorenprüfer. Mit einer anderthalbjährigen Ausbildung zum Auslandsmonteur für Kraftfahrzeuge nahm sein Lebensplan eine schicksalhafte Wendung.

Förster wurde nach Belgien geschickt, von 1964 an für drei Jahre in die Dominikanische Republik, dann nach Chile. Er wechselte zur Deutschen Förderungsgesellschaft für Entwicklungsländer, die heute die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ist. Sie entsandte den Kfz-Meister für vier Jahre in Perus Hauptstadt Lima als Werkstattleiter an eine Berufsschule. Es folgten vergleichbare Aufgaben in Honduras und Bolivien. Rund zwanzig Jahre Auslandseinsatz kommen so zusammen. Die letzten Berufsjahre bis zum Ruhestand 1994 war Förster für Kässbohrer und dessen Omnibusse als Kundendienstgebietsleiter unterwegs. Große Teile Süd- und Westeuropas gehörten zum Einsatzraum.

Volle Aktenordner

Die Kurve zum Naturschutz nahm Förster vor zehn Jahren auf der Ulmer Öko-Messe, wo er auf den GAU-Biologen Wolfgang Gaus traf. „Nun hatte ich einen Ansprechpartner für mein Ziel, mich mit der Natur zu befassen, und ich merkte: Von dem kann ich was lernen“. Mittlerweile profitieren beide Seiten voneinander. Aktenordner voller Beobachtungsergebnisse füllen die Regale in Försters Arbeitszimmer in Straß. Faszinierend über dem Schreibtisch sind zwei Landkarten des Kreisgebiets, beide übersät mit vielfarbigen Stecknadelköpfen.

Eine gibt die Schleiereulenpopulation wider, die andere weist „Raritäten“ nach, die Förster aufgespürt hat. Und es wird ständig enger auf den Karten – dank GAU und seinem Förster. „Und einem guten Dutzend treuer Helfer, die mir zur Seite stehen“, ergänzt er.


Weiterführende Literatur: Schleiereulenschutz

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