Presseecho

2003

Artikel der Südwestpresse am 26. Februar 2003:

BLICKPUNKT STADTTEIL / Bahnwärterhaus in Gerlenhofen saniert

Fehlt nur noch der Frosch

Schutzgemeinschaft für Neu-Ulmer Lebensraum auf dem Bau

Die Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum ist nicht nur im Umweltschutz aktiv. Der Verein hat auch seine Geschäftsstelle, das alte zweistöckige Bahnwärterhaus in Gerlenhofen, rundum saniert: für 70 000 Euro und unbezahlbar viel Eigenleistungen.

CAROLIN STÜWE

„Der Weg 891 ist zugewachsen ... ich muss auf die Wiese ausweichen ... wie? - verpachtet? ... oh je, Erbengemeinschaft ... ich frag‘ lieber vor Ort nach, danke, tschüß“, sagt Wolfgang Gaus und legt den Hörer auf. Der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum, früher Gerlenhofener Arbeitskreis Umweltschutz (GAU), muss schnellstens die vereinseigene und überalterte Hecke am Waldrand zwischen Tiefenbach und Neubronn teilweise zurückstutzen lassen. Vom 1. März an ist dies wegen der beginnenden Brutzeit der Vögel strikt verboten.

Da der Weg zugewachsen ist, braucht Gaus die Erlaubnis, auf der Wiese davor fahren zu dürfen. Die Pflegearbeiten übernehmen Landwirte, die mit der Schutzgemeinschaft eng zusammenarbeiten.

Dies ist nur ein Beispiel aus dem umfassenden Tätigkeitsfeld des Vereins. Aber auch ein Beweis dafür, dass Gaus wieder an seinem - wenn auch staubigen - Schreibtisch in der Geschäftsstelle im ehemaligen Gerlenhofener Bahnwärterhaus sitzen kann. „Drei lange Jahre“ sind fast vorbei, in denen Vereinsmitglieder und Bekannte mit enormer Eigenleistung „die alte Bruchbude“ von Grund auf saniert haben.

Der Verein hat das vermutlich 1892 erbaute zweistöckige Gebäude, in dem früher Bahnbedienstete wohnten, vor drei Jahren gekauft, „als wir an gute Spender rangekommen waren“, erzählt Gaus. Im Laufe der Sanierung bekam das Bahnwärterhaus, dem manch Gerlenhofener schon die Abrissbirne gewünscht hatte, ein neues. Dach, eine umweltfreundliche Gasheizung, weiße Kunststofffenster mit grünen Fensterläden, neue Decken und Böden und einen frischen Verputz. „Kosten: 70 000 Euro“, sagt der 43-Jährige. Auch Vorruheständler und Rentner hätten ordentlich mitgeholfen. Fünf bis zehn Leute seien immer da gewesen, 673 Mitglieder hat die Schutzgemeinschaft.

Wände wurden herausgerissen, um große Räume zu bekommen für die Geschäftsstelle und für einen Jugendraum, in dem Gaus bei schlechtem Wetter seine 25 „Laubfrösche“ beschäftigt. Meist ist er aber mit dieser Jugendgruppe oder mit Schulklassen samt Ökomobil unterwegs, um an Teichen Eintagsfliegen und Libellenlarven zu fangen und unters Binokular zu legen. Rund 30 mal war das Ökomobil, ein Anhänger mit Mikroskopen, Käschern und Wathosen, im vergangenen Jahr im Einsatz, Tendenz steigend.

Die Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum hat ihre Fühler in den 13 Jahren ihres Bestehens sehr weit ausgestreckt in die Region. 61 Ortschaften profitieren inzwischen vom GAU. Jedoch werden hier nicht überall Biotope angelegt und Hecken gepflanzt. Sondern hier hängt überall ein Schleiereulenkasten in einem privaten Stadel. Die Landwirte wüssten die Eulen immer mehr zu schätzen als unersättliche Mäusefänger. Sobald in der neuen Geschäftsstelle alle Räume eingerichtet sind und auf dem Dachböden wieder Ruhe eingekehrt ist, will Gaus auch dort einen Schleiereulenkasten aufstellen.

Im Garten, der wieder mit dem alten Staketenzaun eingefriedet ist, möchte der Diplom-Biologe einen Teich anlegen. Außerdem fehlen noch ein Hinweisschild und ein großer Werbe-Laubfrosch, die vor dem Haus auf die Naturschützer aufmerksam machen sollen.



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